1978: Weihnachtskonzert im Rathaussaal, Bückeburg  -  Foto: Archiv Rust

Die Geschichte des Chores Schaumburger Märchensänger

Der Chor muss weiterleben: 1975 – 1980

Von Susanne Rust

„Ich war sehr überrascht von der Qualität des Chorklanges und bewunderte die Art, mit der die Leiterin den Chor dirigierte. Sie benutzte keine großen Bewegungen mit den Armen. Eher mit den Augen und mit kleinen, ruhigen Handbewegungen führte sie den singenden Chor. Die Blicke aller Kinder trafen sich in den Augen der Leiterin. Edith Möller war eine begnadete Musikerin!“

So beschreibt Denis Halikiopoulos in seinen Erinnerungen das Kennenlernen von Edith Möller und den Schaumburger Märchensängern anlässlich einer ersten gemeinsamen Probe, als der Chor einen neuen Pianisten benötigte. Das Treffen wurde durch den damaligen Bückeburger Bürgermeister Helmut Preul initiiert. Man verstand sich und eine Zusammenarbeit wurde verabredet. Da die Konzerte der Märchensänger fast immer an Wochenenden stattfanden, war der Honorarauftrag mit der Musikschularbeit von Denis Halikiopoulos in Herford vereinbar.

Bei mehreren Konzerten begleitete er den Chor als Pianist. Als er von einem Gastdirigat beim griechischen Staatsorchester in Athen zurückkehrte, musste er feststellen, dass Edith Möller schwer erkrankt war. Vertraglich vereinbarte Konzerte standen an, und so war es naheliegend, dass Erna Pielsticker den studierten Kapellmeister und Operndirigenten um Hilfe bat, die Konzerte zu leiten.

Dezember 1975: Konzert im Rathaussaal Bückeburg - Foto: Archiv Rust

Der Tod von Edith Möller am 10. Juli 1975 machte Denis Halikiopoulos sehr betroffen. Die bald darauf folgende Anfrage von Erna Pielsticker, Bürgermeister Helmut Preul und Vorstandsmitglied Kurt Rabe, den Chor zu übernehmen, beschied er positiv, nachdem die Arbeit als Stelle im Öffentlichen Dienst (wie zuvor in Herford) ausgeschrieben wurde und mit ihr gleichzeitig die Leitung der neu gegründeten „Musikschule Schaumburger Märchensänger“ verbunden wurde. Der Chor war damals auch noch ein Wirtschaftsunternehmen, denn es gab auf Jahre hinaus vereinbarte Konzert- und Tourneeverträge, die zu erfüllen waren. Im Haus an der Georgstraße lebten seit vielen Jahren Waisenkinder, deren Lebensunterhalt zu Teilen durch Konzerteinnahmen unterstützt wurden.

Denis Halikiopoulos zog nach Rinteln. Die Chorabeit – insbesondere auch mit dem Nachwuchs – machte ihm viel Freude. Die Partiturarbeit in der für ihn ungewöhnlichen, aber sehr schönen Stimmenzusammensetzung mit drei Mädchen- und einer Baritonstimme fiel ihm leicht. Großen Wert legte er darauf, diesen besonderen Chorklang möglichst zu erhalten. Häufig begleitete er den Chor bei Konzerten selbst – das Klavier wurde in die Mitte gerückt – später Musikstudenten aus den eigenen Chorreihen. Sorge bereitete ihm die 1976 anstehende USA-Tournee – wie würde man den Wechsel in der Chorleitung dort beurteilen und seine Arbeit einschätzen?

Konzertauftritt - Foto: Archiv Rust

Eine bereits seit zwei Jahren von den Partnerstädten Bückeburgs und Obernkirchens geplante Luxemburg- und Frankreichreise  nachSablé und La Fleche im Frühjahr 1976 klappte gut. Auch die dreimonatige Tournee durch die USA und Kanada mit Stationen unter anderem in Toronto, Ottawa, Chicago, Seattle, San Francisco, Los Angeles, Memphis, Santa Fe und einem Abschlusskonzert in der New Yorker Townhall war erfolgreich. Der für die Amerikaner schwer auszusprechende griechische Name wurde zu „Denis Halik“ abgekürzt. Trotz vieler von den Chorkindern begeistert gezählten „Standing Ovations“ und positiver Pressekritiken kündigte Columbia Artists Management, die renommierte New Yorker Künstleragentur, die den „Obernkirchen Children´s Choir“ seit 1954 begleitet hatte, im Frühjahr 1977 den Vertrag.

In den folgenden Jahren ging das Chorleben weiter, neues Repertoire wurde einstudiert, das alte aber weiterhin gepflegt und aufgeführt. 1977 wurde der Studentenchor „Purdue Glee Club“ aus Lafayette/Indiana empfangen und es gab ein großes gemeinsames Konzert im Bückeburger Rathaussaal. Dort fanden auch weiterhin in Zusammenarbeit mit dem Kulturverein die traditionellen Weihnachtskonzerte statt. Jährlich ca. 40 Konzerte – oftmals im Ruhrgebiet bei gemeinsamen Auftritten mit dort heimischen Männergesangsvereinen – führten den Chor an nahezu allen Wochenenden durch Deutschland.

Herbst 1976: Kalifornien, rund um einen Mammutbaum - Foto: Archiv Wicklein

1978: Auftritt bei der ZDF-Familiensendung „Die lustigen Musikanten“ in der Dortmunder Westfalenhalle. Ein Glücksspirale-Werbespot mit Hildegard Knef 1979, der Besuch des Kinderchores „Dikkricher Solschlösselcher“ aus Luxemburg, die man während der Reise 1976 kennengelernt hatte, die Teinahme an der Bundesgartenschau in Bonn und eine Freizeit auf Norderney im gleichen Jahr machten das Chorleben lebendig.

Im Januar 1980 ging es mit Vertretern des Stadtrats auf eine kurze Reise nach Nieuwerkerk, der holländischen Partnerstadt Bückeburgs. Gemeinsam mit dem Bückeburger Blasorchester, Trachtengruppen und Turnern der VTB wurde ein bunter Partnerschaftsabend gestaltet.

Im gleichen Jahr verabschiedete sich Denis Halikiopoulos von den Schaumburger Märchensängern. Ein letztes gemeinsames Konzert fand Ende Juni im Bückeburger Rathaussaal statt. Er übernahm für ein Jahr die Stabführung im neu gegründeten Schaumburger Jugendchor, ehe er seinen Lebensraum nach Bad Salzuflen verlegte und dort als Fachbereichsleiter Klavier an der heimischen Musikschule tätig wurde.

Herbst 1976: Nach einem Konzert in den USA - Foto: Archiv Rust